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Jupp Kapellmann: „Beckenbauer ist nicht so ein abgezockter Typ“

Der frühere Bundesliga- und Nationalspieler sowie langjährige Arzt Jupp Kapellmann verteidigt den Spielbetrieb der Fußballprofi-Ligen während der Corona-Krise. „Ich bin Mediziner. Für mich ist die Frage: Wie groß ist die Infektionsrate? Und wenn alle Spieler vor dem Match getestet worden sind, ist sie minimal“, sagte der einstige FC-Bayern-Mittelfeldmann und Weltmeister, der heute als Facharzt für Orthopädie im thüringischen Bad Sulza arbeitet, im Interview mit dem Playboy.

Autor: Playboy Redaktion

„Dass man die Wirtschaft herunterfährt, um Menschenleben zu retten, ist für mich selbstverständlich. Aber man sollte nur die Bereiche herunterfahren, bei denen es notwendig und sinnvoll ist. Wozu Wirtschaftsbereiche herunterfahren, von denen keine Gefahr ausgeht? Und Fußball ist nun mal auch ein Teil der Wirtschaft“, so der 70-Jährige im Playboy-Interview.

Fußball spielt Kapellmann heute nicht mehr, aber als Arzt will er trotz Rentenalters weitermachen.

Kapellmann hatte 1974 mit den FC-Bayern-Kollegen Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Gerd Müller, Paul Breitner und Sepp Maier in der DFB-Elf den WM-Titel geholt und nach seiner aktiven Zeit als Spieler kurzzeitig im Management des TSV 1860 München gearbeitet. „Das habe ich aber gleich wieder aufgegeben“, sagte der Mediziner, der im Interview das Geschäftsgebaren im Profifußball kritisiert.

Medizin-Studium in den 1970ern: Hier mit Ex-Frau Ariane, an der Uni München.

„Ich merkte damals schnell, wie zwielichtig es teilweise zuging. Einmal sollte ich Spielerverpflichtungen hier im Osten tätigen. Da meinten die Verhandlungspartner zu mir: ,Das Geld möchten wir dann bitte auf ein Schweizer Konto transferiert haben.‘ Ich sah sie ungläubig an: ,Und wie kommt ihr dann da ran? Fahrt ihr mit dem Trabi runter?‘ Die meinten nur, das lass mal unsere Sorge sein. Ich hab schnell gemerkt: Für diesen Job bin ich nicht abgebrüht genug. Vieles lief da – wie soll ich das formulieren? –, in der Medizin würde man sagen, subkutan ab“, so Kapellmann. „Das war nicht mein Milieu. Dafür hatte ich nicht so lange studiert.“

Er habe während seiner Fußball-Karriere festgestellt: „Das viele Geld kann auch ein Fluch sein, weil du alles tun und dir alles erlauben kannst“, sagte Kapellmann. „Du kannst ganz leicht in Regionen geraten, in denen du dann nicht mehr alles steuern kannst.“ Die Gefahr sei, „einfach abzuheben. Angefangen bei den Frauen und so weiter. Schauen Sie, nichts gegen den Uli (Hoeneß, d. Red.), aber der hat sich dann im Bereich der Kapitalvermehrung ein bisschen verloren. Ich meine: Ich bin nicht vorbestraft.“

Credit: Felix Adler

Ausdrücklich in Schutz nimmt Kapellmann im Playboy-Interview seinen einstigen Bayern- und Nationalelfkapitän Franz Beckenbauer, auf dem in den vergangenen Jahren ein Korruptionsverdacht rund um die Vergabe der WM 2006 gelastet hatte: „Er ist von der Grundpsyche her überhaupt nicht so ein abgezockter Typ. Ich denke, was auch immer da möglicherweise geschehen ist, der Franz hat das gar nicht völlig überblickt, der ist da reingerutscht. Schauen Sie sich doch die Fifa an: Da hält man besser gleich Abstand, die stinkt doch nach Korruption. Aber auf den Franz möchte ich wirklich nichts kommen lassen.“

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